Trennung: ein schwieriges Ereignis - vor allem für das Kind

Die Trennung einer Familie ist stets ein einschneidendes Lebensereignis, das einen vor nicht vorhersehbare Herausforderungen stellt. Beide Elternteile sehen sich in einer Situation, in der sie oftmals nicht wissen, wie sie sich verhalten sollten oder was sie tun können.

Leider gerät in derartigen Konflikten oft das Kind mit seinen Bedürfnissen und Wünschen in den Hintergrund.

Da gerade das auf keinen Fall passieren darf, sind hier einige Informationen zusammengefasst, die mögliche erste Schritte aufzeigen und zugleich auch kritisch betrachten.

Denn: Bei allem Verdruss über das Scheitern der Beziehung - darf das Kind nicht unter der Entzweiung seiner Eltern leiden!

Wer oder was kann mir helfen?

Ein Rechtsanwalt...

Das ist oft ein Irrglaube. Wenn es um das Scheidungsrecht, oder klare materielle Ansprüche geht, stimmt das zwar auch nicht immer, aber doch häufig. Wenn es aber um Kinder, also etwa die elterliche Sorge oder ein Umgangsrecht geht, lehren uns die Erfahrungen äußerste Vorsicht. Mehr, als wir das je geahnt hätten, berichtet eine große Zahl betroffener Eltern, dass sie von ihrer Anwältin oder von ihrem Anwalt schwer enttäuscht sind. Um so wichtiger ist es, sich einen Eindruck von der Person des Anwalts zu machen. Der Anwalt sollte auf jeden Fall ein Fachanwalt für Familienrecht sein. Bei der Auswahl ist es ratsam um ein “Informelles Gespräch“ zu bitten, welches im Gegensatz zu einem “Beratungsgespräch“ kostenfrei ist.

Eine Empfehlung seitens des Kreisvereins Nordfriesland kann es nicht geben. Es werden allerdings Mitglieder an Mitglieder vermittelt, die sich dann gegenseitig austauschen können.

 

Prozessvertretung

Während Unterhaltsverfahren inzwischen immer eine anwaltliche Vertretung vorsehen, kann sich jeder in so genannten isolierten Familiensachen zum Umgangsrecht oder zur elterlichen Sorge selbst vertreten. Unabhängig, ob sich ein Elternteil selbst vertritt, einen Beistand hinzuzieht oder sich anderer Hilfe bedient, die Entscheidungen und die Verantwortung zum Vorgehen bleiben bei dem Elternteil. Allerdings wird das vom Beistand Vorgetragene vor Gericht so bewertet, als hätte man es selbst vorgetragen. Wer mit dem Ergebnis einer Verhandlung nicht zufrieden ist, muss während der Verhandlung widersprechen.

 

Das Jugendamt

Über Jugendämter gibt es positive sowie negative Erfahrungen aus dem Kreise unserer Mitglieder. Es gibt Berichte von sehr engagierten Jugendämtern bezüglich Kinderrechte und Elternpflichten, dagegen auch Erfahrungen, nach dem Eltern in Gesprächen einseitig und nicht neutral beraten wurden.
Grundsätzlich sollte man eine Beratung beim Jugendamt in Betracht ziehen, um sich ganz persönlich ein Bild zu machen. Unser Verein hält Kontakt zu Stellen des Jugendamts und kann dadurch auch Beratung hinsichtlich eines Gesprächs anbieten. Im Übrigen ist es jedem möglich, einen sogenannten Beistand zu einem Gespräch mitzunehmen.

 

Selbsthilfegruppen

Der bundesweit tätige Verein, “Väteraufbruch für Kinder“ (VAfK), hat viele regional tätige Gruppen, die Selbsthilfe und auch Einzelfallberatung anbieten. Der direkte Austausch mit anderen Eltern, die Vergleichbares erlebt haben, wird fast immer als sehr hilfreich und aufbauend beschrieben.

Vor allem das Gefühl, nicht mehr allein mit seinem Problem zu sein und der Austausch mit anderen Eltern, die verstehen können was einen bewegt trägt ungemein zum Selbstverständnis Betroffener bei. Dadurch fällt es vielen leichter, Engagement im Interesse ihres Kindes zu zeigen, anstatt zu resignieren.

 

Anlegen einer Dokumentation

Sehr empfehlenswert ist es, alle Ereignisse in einem Tagebuch aufzuschreiben. Es wird später helfen, konkrete Tatsachen in die Erinnerung zu rufen. Allerdings muss auch die andere Wahrheit angesprochen werden. Das betroffene Kind will in den allermeisten Fällen dieses Tagebuch später, als Erwachsener, nicht lesen, es möchte nämlich gar nicht aufgeklärt werden, welcher Elternteil ihm damals geschadet hat. Erwachsene konstruieren sich ihre eigene Wahrheit, die meistens losgelöst vom elterlichen Trennungskonflikt gebildet wird.

 

Mediation

Es macht sicherlich immer wieder Sinn den Weg der Mediation zu gehen.
Ein Wermutstropfen sei aber schon hier an dieser Stelle erlaubt: Oft erwarten die Eltern von der Mediation, dass der neutrale Mittler gerade nur der anderen Seite endlich einmal klar macht, was richtig oder falsch ist. Dann wird die Mediation natürlich scheitern. Also einerseits kein Wunder erwarten und andererseits eigene Beweglichkeit einbringen und Befindlichkeiten zurücknehmen. Häufig ist eine pragmatische Herangehensweise die richtige. Zunächst wieder ins Gespräch kommen, um beispielsweise die Übergaben fürs Kind wieder gemeinschaftlicher zu gestalten, als längere Sitzungen über die Schuldfrage abzuhalten.

Mediation wird von den Jugendämtern und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen angeboten. Auch verschiedene Vereine sind kompetent und bieten Mediationen an. Wenn Eltern eine Mediation befürworten, könnten sie Bonuspunkte sammeln. Wenn Väter Mediationen ablehnen wird diese Haltung, in der gerichtlichen Auseinandersetzung, negativ ausgelegt.

 

Nie das Kind aus den Augen verlieren!

Kein Kind sollte ohne Vater aufwachsen. Wenn sie erwachsen sind, werden sie uns fragen, warum wir nichts gemacht haben. Dann dürfen wir nicht ohne Antwort dastehen.
Wir sind überzeugt, dass es oft gut ist, sich zurückzunehmen, aber das darf niemals auf dem Rücken unserer Kinder geschehen. Wir machen vieles mit, aber allein lassen wir unsere Kinder nicht. Auch wenn die Kinder uns beschimpfen oder den Umgang ablehnen, sagen sie das nur, meinen es aber nicht. Wir sollten dann unsere Kinder zwar wie immer ernst nehmen, aber entschieden sagen: „Auch wenn du mich jetzt beschimpfst, ich liebe dich und werde immer für dich da sein, versprochen!“